Für Angehörige · 29. September 2026

Im Wochenbett konkret helfen: ein Leitfaden für Angehörige

Wenn ein naher Mensch nach der Geburt psychisch leidet, muss niemand die perfekte Antwort kennen. Zuhören, Entlastung und ein gemeinsamer Weg zu fachlicher Hilfe können der nächste Schritt sein.

Der SRF-Bericht vom 20. September 2026 macht auf die schwierige Erkennung postpartaler Depression aufmerksam. Die Eidgenössische Kommission für Familienfragen fordert eine frühere Erkennung und besser vernetzte Unterstützung. Auch Angehörige können aufmerksam sein, ohne selbst eine Diagnose stellen zu müssen. [1, 2]

1. Fragen und zuhören

Eine ruhige, offene Frage kann helfen: «Wie geht es dir wirklich – auch mit den schwierigen Gefühlen?» Nimm Traurigkeit, Erschöpfung, Schuldgefühle oder fehlende Freude ernst. Verzichte auf Sätze wie «Du solltest doch glücklich sein». Periparto empfiehlt, Bedürfnisse und Erwartungen offen zu besprechen und sich über psychische Erkrankungen zu informieren. [1, 3, 4]

2. Eine Aufgabe übernehmen

Biete etwas Bestimmtes an: heute einkaufen, eine Mahlzeit bringen, Wäsche erledigen oder während eines Termins beim Kind bleiben. Frage, welche Entlastung tatsächlich passt. So muss die betroffene Person nicht zusätzlich eine ganze Liste koordinieren. Das sind praktische Vorschläge für den Alltag; sie ersetzen keine Behandlung. [4, 5]

Ein hilfreicher Satz

«Ich sehe, dass es gerade schwer ist. Ich höre dir zu. Soll ich heute mit dir deine Hebamme oder Ärztin anrufen – und in der Zwischenzeit das Essen übernehmen?»

3. Hilfe gemeinsam organisieren

Wenn Beschwerden anhalten, stark belasten oder der Alltag kaum noch gelingt, unterstütze beim Kontakt mit Hebamme, Hausärztin, Gynäkologin oder einer Fachperson für psychische Gesundheit. Beschwerden, die länger als zwei Wochen dauern, sollten besonders beachtet werden; bei starker Belastung muss niemand so lange warten. Periparto bietet kostenlose, vertrauliche Beratung und vermittelt Fachhilfe. Auch Angehörige dürfen sich selbst Unterstützung holen. [1, 3, 4, 5]

4. Bei akuter Gefahr sofort handeln

Bei akuter Suizidgefahr oder gefährlichem, realitätsfremdem Verhalten sofort 144 oder 117 anrufen. Lass die betroffene Person in einer solchen Situation nicht allein und befolge die Anweisungen der Notrufstelle. Für ein vertrauliches Gespräch in einer schwierigen Lage ist 143 rund um die Uhr erreichbar. Periparto ist keine Notfallstelle. [6]

Psychische Belastung rund um die Geburt kann auch Väter betreffen. Wer unterstützt, darf die eigene Erschöpfung ebenfalls ansprechen und Hilfe annehmen. [3, 4]

Quellen und weiterführende Hilfe

  1. SRF / RTS, Manon Germond und Adriano Koch: «Psychische Krise nach Geburt – Fachleute fordern mehr Wachsamkeit bei postpartalen Depressionen», 20.09.2026.
  2. Eidgenössische Kommission für Familienfragen (EKFF): «Postpartale Depression: Jede sechste Mutter ist betroffen», 31.08.2026; Verweis auf Policy Brief Nr. 10.
  3. Periparto Schweiz: «Psychische Erkrankungen nach der Geburt».
  4. Periparto Schweiz: «Wie gehe ich mit Ablehnung um?», Stand Frühling 2026.
  5. Periparto Schweiz: «Mir geht es nicht gut. Ich brauche Hilfe!» und Beratung und Hilfsangebote.
  6. Periparto Schweiz: «Notfallnummern».

Alle Onlinequellen geprüft am 29.09.2026. Dieser Text dient der Orientierung und ersetzt keine persönliche medizinische oder psychotherapeutische Beurteilung.